Drei Raumschiffe waren unterwegs zum Planeten Sellarin, zehntausend Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Vailen 1, 2 und 3. Benannt nach Vailen Industries, den Verantwortlichen für diese Expedition. Jedes Schiff war so ausgerüstet, dass es das Überleben der Besatzung gewährleisten konnte. Angefangen, bei besonders widerstandsfähigen Schilden bis zu mehreren botanischen Gärten, zur Sicherstellung der Nahrungsversorgung und alle weiteren Dinge, die für die Gründung einer Kolonie, notwendig waren.
Felicitas hatte es nicht weit bis zum Speisesaal. Als sie ihn erreichte, herrschte dort schon ein reges und vor allem buntes Treiben. Jeder trug zwar die selbe Aufwachkleidung, aber Vailen Industries erlaubte es jedem seine eigene Farbe auszusuchen. So kam es, dass kaum zwei in der selben Farbe herumliefen. Felicitas Kleidung war violett.
In einer Ecke des Saals erkannte sie einige bekannte Gesichter und winkte ihnen zu. Aber zuerst das Essen.
An der Essensausgabe gab es eine kleine Schlange, die aber schnell kürzer wurde und Felicitas war an der Reihe. „Was gibt es denn Leckeres, nach so einer langen Reise?“, fragte sie den Koch.
„Wackelpudding mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und andere gesunde Sachen.“
„Iew!“
Der Koch lächelte. „Immerhin hat er eine schöne dunkelgrüne Farbe.“
„Danke,“ Felicitas seufzte. Richtiges Essen gab es wohl erst morgen. Sie nahm sich eine Schale mit Wackelpudding und ein Glas, das mit noch mehr von dem violetten Zeug gefüllt war, das sie schon vorher trinken durfte.
Gerüstet mit ihren Sachen ging sie hinüber zu dem Tisch, am Rande des Speisesaals, an dem sie vorher ein paar Leute erkannt hatte.
„Haben die Herrschaften gut geschlafen?“, fragte sie in die Runde, bevor sie sich setzte. Um den Tisch saßen Alex, Kleio und Niam. Mit Felicitas war das Team fast komplett. Zur Gruppe gehörte auch Sarah, aber von ihr war keine Spur zu sehen.
„Danke gut, nur das Aufwachen war nicht so erfreulich“, sagte Kleio und schob sich einen Löffel mit Wackelpudding in den Mund. Kleio war Soldatin, hatte kurze, braune Haare und trug grüne Kleidung.
„Ja, ich wäre fast auf den armen Typ drauf gefallen, der meine Schlafkammer geöffnet hatte“, sagte Alex gut gelaunt. Alex war über zwei Meter groß und wog bestimmt eine Tonne. Alles Muskeln. „Sein Gesicht hättet ihr sehen sollen. Aber ich konnte mich gerade noch festhalten, bevor er Matsch geworden wäre.“
„Wo ist Sarah? Schläft sie länger?“ fragte Felicitas.
„Oh, sie war schon hier“, sagte Niam. „Kaum hatte sie ihr Essen runter geschlungen, als wäre das Zeug hier, das Leckerste was es gibt im Universum“, dabei hielt er seinen Löffel mit dem grünen Glibberzeug in die Höhe und lies es ordentlich wackeln, „da verschwand sie auch schon in Richtung Lagerraum, um ihre Ausrüstung zu überprüfen.“ Niam war der Pilot der Gruppe. Er konnte alles fliegen was ein Triebwerk hatte und manchmal brauchte er nicht einmal das.
„Das hätte ich mir denken können“, sagte Felicitas und lächelte. „Damit sie bereit ist für alle Gefahren, die das Universum in unsere Richtung wirft.“ Sie probierte einen Löffel voll Wackelpudding und verzog gleich das Gesicht. „Nein, die Farbe hilft beim Geschmack wirklich nicht. Wären nicht alle Nährstoffe da drin, die man nach zehn Jahren Schlaf so braucht, würde ich das Zeug nicht anrühren, aber so“, sie zuckte mit den Schultern, „runter damit!“
„Wann kommen wir eigentlich an?“, fragte Niam und deutete auf das blaue Leuchten, das man durch die Fenster sehen konnte. Sie waren immer noch im Hyperraum.
„Ich denke, wenn sie bereits alle auftauen, sollte es nicht mehr lange dauern“, sagte Kleio, nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas und schüttelte sich hingebungsvoll.
„Ja, dem Plan zufolge, sollte die Mannschaft etwa eine Stunde bevor wir ankommen geweckt werden“, sagte Felicitas, als sie den letzten Löffel ihres Puddings gegessen hatte und sich nun dem Glas zuwandte. „Der Anzahl der Leute hier drin nach zu urteilen, dürften wir bald ankommen.“
Wie aufs Stichwort kam aus den Lautsprechern: „Wir erreichen das Ziel unserer Reise in etwa zehn Minuten. Wenn sie einen Blick auf unsere neue Heimat werfen wollen, sollten sie sich jetzt zu einem geeigneten Aussichtspunkt begeben.“
„Lasst uns hoch gehen zum Observationsdeck“, schlug Alex sofort vor.
Felicitas nickte und der Rest stimmte zu. Sie schluckten noch die Reste von ihrem Aufwachmahl, schüttelten sich gemeinsam noch einmal angewidert und nahmen dann den Aufzug hinauf zum Observationsdeck.
Das Observationsdeck war ein riesiger Wintergarten. Hier wuchsen viele der Pflanzen, die für das Überleben der Mannschaft wichtig waren. Nach der langen Reise war der Garten so stark gewachsen, dass sich Ranken über den Weg und sogar an der hohen Glasdecke entlang schlängelten. Die Gärtner hatten bestimmt eine Weile zu tun bis alles wieder geordnet war.
Das Deck war aber nicht nur voller Pflanzen, es waren bereits andere aus der Besatzung hier, die auch die Ankunft aus der ersten Reihe miterleben wollten und es wurden schnell immer mehr.
„Da waren wir wohl nicht die Einzigen mit der Idee“, sagte Felicitas und lächelte.
„Ach, es ist genügend Platz für alle da“, sagte Alex.
„Wir verlassen den Hyperraum in drei, zwei, eins ...“ Der Hyperraum löste sich auf und sie fanden sich in der Nähe eines blauen Planeten wieder. Ohs und Ahs gingen durch die Menge. Der Planet hatte große Eismassen an den Polen und größere Landflächen, als die Erde. Ihm fehlten dafür die Wüsten in der Äquator Gegend.
„Sieht doch vielversprechend aus“, sagte Felicitas.
„Etwas kalt“, sagte Niam.
Alex zuckte mit seinen mächtigen Schultern. „Wahrscheinlich ist gerade Winter.“
Doch dann veränderte sich die Stimmung. Einige Leute zeigten auf ein kleines Objekt, in der Nähe das Planeten, das langsam größer wurde. Felicitas hatte es erst für einen Gesteinsbrocken gehalten, aber je näher sie kamen, desto deutlicher konnte man erkennen was es war. Es war eines ihrer Schwesterschiffe und es war schwer beschädigt.
„Was zum ...“, setzte Felicitas an, ohne den Satz je zu beenden.
„Wurden die angegriffen?“, fragte Alex.
„Nein“, antwortete Kleio. „Es sieht mehr danach aus, als hätten mehrere Explosionen, von Innen heraus, das Schiff beschädigt.“
„Sabotage?“
„Wäre möglich.“
Sie waren jetzt so nahe, dass sie das volle Ausmaß der Zerstörung ausmachen konnten. Der meiste Schaden war im Bereich des Antriebs, von dort aus muss es sich über das ganze Schiff ausgebreitet haben. Jetzt trieb das Raumschiff tot im Weltall. Kein Licht war zu sehen. Es grenzte an ein Wunder, dass das Schiff noch in einem Stück war.
„Teams zwei, drei und vier, sofort im Hangar melden!“, kam es aus den Lautsprechern.
„Und schon geht es los“, sagte Felicitas. „Damit sind wohl wir gemeint.“
Alex nickte: „Abmarsch!“
Sie bahnten sich einen Weg durch die Zuschauer, die immer noch wie gebannt auf das andere Schiff starrten und nahmen den Aufzug hinunter zu ihren Quartieren, um ihre Ausrüstung anzulegen. Ein Körperpanzer und leichte Bewaffnung, für alle Fälle. Felicitas verzichtete auf Waffen und nahm stattdessen einen Rucksack mit der medizinischen Notfallausrüstung mit. Alex nahm nur eine Pistole mit, die war dafür fast so groß wie ein Granatwerfer. Dann gingen sie gemeinsam zum Hangar.
Sarah war bereits dort. Sie trug einen leichten Kampfanzug und einen Rucksack, der bestimmt gefüllt war mit Werkzeug, Ersatzmunition und was man sonst noch brauchte um eine Woche in der Wildnis zu überleben.
„Hallo Prinzessin, gut geschlafen?“
„Danke, gut“, sagte Felicitas lächelnd. Aber für Geplänkel war keine Zeit, denn auch der Kapitän war anwesend und wollte sie in das vor ihnen liegende einweisen.
„Wie sie vielleicht schon gesehen haben, liegt unser Schwesterschiff, die Vailen 1, schwer beschädigt im Weltall. Wir können nicht genau sagen, wie lange schon. Wir vermuten ein paar Wochen. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Es gibt Lebenszeichen im Bereich der Schlafkammern. Ihre Mission ist es, dort rüber zu gehen, die Überlebenden zu finden und sie zu evakuieren.
Irgendwelche Fragen?“
„Nein, Sir!“
„Dann los.“
Die Teams verteilten sich auf die Shuttles und machten sich bereit zum Start.